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        Strassenkehrers N.
  Maria Beyer-Görnert
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  Paul Celan
  Selma Meerbaum-Eisinger



Agamemnon


Nacht räumt vom Schnee in meinem Kopf
Träume brisen in meiner Geisterhand
im Tausch mit schizoiden Glyphen
Das Tausendauge schlägt alle Türen auf
Prim glänzen sich schallende Worte in mein Gelächter
Gesicht des ohne Sinne brämt mit Schweigen
Geigen jodeln durch meine Asgardnacht
Agamemnon setzt Steine mir schwer zu Gericht
bricht Berge für mein Fragengrab
Distinguiert durch Lavendelsümpfe
mein Gottanbeterin im Trab



Still!


Still! Antwortest Du laut
auf mein Schweigen
Ich verschenke die Worte
Auf meinem Blick balancierst Du
Greif meine Wörter aus dem Blau
Munde Dir die Fragen wie Stechpalmen
Kröte die Sage in aller Munde
zisch „Blau!“



Alpmären


Nacht das Tor öffnet
Alpmären in Grau
Geschenke lustiger Geister
bizarriden Öds
reite Violinen
silberne Schemen
stoße das Jagdhorn
aufs Traumgehau



Fisch


Fisch Zisch schnell Blitz


Sie ist


Koran!Der Muselmane
Bibel!Der brave Christ
ToraDer Jude
Der Indianer:Die Welt ist.



Fischfang


Sticht das Gehölz
in die Weite des Himmels
Spannen sich Netze von dort nach dort
Fische schlitzen das Feuchte
Hände schütteln an Bord



Macht Reimen Sinn?


Macht Reimen Sinn?
Reimen gibt Sinn.
Macht Inhalt Sinn?
Wenn Reime Sinn machen,
muß der Inhalt nicht stimmen.



Scheusal


Ist die Narrenblässe
Dein schwarzes Gesicht
mit roten Streifen
Kakerlakenblau
windet sich Gewürm
um Deine Fratze
Morchelgrün schießen Dir
Pilze aus den Augen
fetter Aal
Deine Zunge windet sich



Quelle der Nacht


Rühr an die Quelle der Nacht
Ihr schwarzgrüner Smaragd
zieht bunte Streifen
über Deine weißen Hände
Pferde sind sie sie tränken sich
an Deinen Launen übelster Macht
Brämandern Worte des Übels
skandieren Schärfe blutiger Beile
trennen schwarz von rot und rot



Cäsar


Ziseliert sind die Stiche auf Deiner Haut
Ziseliert der Dolch, der stach
Dein Lorbeer tränkt sich im Roten
Der Tod Dein Sohn er stach genau


Moby Dick


Weißglatt schwillst durch grüne See
Schanker um rauhe Stümpfe
In Deinen Massen Wammern
Dein Aug Kleinod der Fäulnis
weißt um die Planken zerbrochen
die getöteten Söhne in der toten, in der See
Ein Platz, ein Blatt, unbeschrieben
für den schwarzen, den toten Mann
auf der toten See



Seeschlange


Bleich schimmert grün
Dein Zackenkamm,
lang und lang und weiter
Deine Lefzen atmen den Schnee
den Salzschaum in der schwarzen See
Dein schäumender Schwanz legt sich im Lee
um das Schiff in der schwarzen,
in der sich bäumenden See.



Kling!


Kling! Zersprang das Schwert am Fuß des Führers
Kling! zerbrach der Führer am Schwert des Kriegs



Pferdestudie


Hufe wirbeln
Mähnen, Wiehern
Trab, Galopp
die Brücke hoch



Tod!


Tod! Du greifst in das Rad des Lebens
Tod! Du hältst es an soeben
Tod! Das Rad dreht fort und fort
Tod. Dein Ort. Ein elend Ort.



Krieg!


Krieg! Zerborstne Schwerter
Sieg! Ein neues her!
Frieden. Leben ohne Schwerter
Frieden irgendwer



Kim.


Blind vor der Ahnung
Geschundene Blume
Atmender Zweig
eines Baums voll Leben
Kim.
Tod sei lieb.



Klinge


rasierst meinen Bart
beugst Haare trennst sie ab
Senkrecht stehst Du.
Ein schmales rotes Tor
zu meinem Leben
Ich ahne Deine Macht
Kost meine zarte Haut
gib acht.



Kakao


Bohne der bitteren Süße
schwillst in meiner Milch
Gepflückt gepresst gerieben
süßer Hauch Amerika
Stramm am Stamm

erhöhst meine Sinne
zitierst sie vor



Was nicht ist


Sag nicht
was nicht ist
Sprich
was ist



Spiegel Deines Lebens


Nach innen gewachsen
Der Spiegel Deines Lebens
wellt sich ohne Risse
steigt zu Falten auf
Intelligenz meiner Sinne
atmen im Hauch
geduldigen Denkens
Was getan
ist dreimal Dulden
scheidest Idee
vom Wahn



Ende der Schicht


Vergangenheit ist Erinnern
Zukunft ist Planen
Gegenwart ist Handeln



Pech


Das Glück dieser Erde
liegt auf dem Rücken der Pferde

Ich hab keine Pferde
auf dem Rücken der Erde



Rosenheim vor den Bergen


Blau wie Märchen schweben die Berge über den Wolken
Wie Glas im Sommer schneiden sie den Himmel auf
schlitzen das Blau zur weißen Zirrenfeder
recken die Hand zur gleißenden Sonne hinauf.



Abraham


Abraham
Dein Engel kämpfte
eine Nacht

mit Dir

Dein Engel war mächtig
doch meiner kämpft
seit Jahren

mit mir



Annette Schuster


Deine Farben verlaufen
Deine Lippen verwelkt
Ihre blasse Röte
in Deinem Gesicht zerfällt

Honig Deiner Augen
Sie duften nicht mehr
warum tat man ihn rauben
Du Biene so sehr

Spannung Deiner Wangen
wie Milch davor
mit ihnen sanken
Deine Augen herab

Müdes Gesicht
jüngstes Gericht
warum gingst Du irre
durch jenes Tor?



Anna in Theresienstadt


Anna.
Wir stehen still.
Vor den Toren.
Die Mauern sind.
Wir atmen die Luft wie Du.
Wir atmen die Luft.
Die Luft.
In der Menschen sind.
Anna.
Wir verzweifeln still.
Vor dem.
Was keiner verstehen will.



Ich hab Dir einen Baum gepflanzt


Ich pflanzte einen Baum
in Dein kleines Gesicht
er wuchs Dir in die Seele
mit Ästen und Wurzeln verflicht

Heut gehst Du durch grüne Räume
siehst Blätter wie Meeresschaum
Du liebst diese großen Bäume
erlebst sie wie in einem Traum

Später pflanzt Du
die hölzernen Riesen
läßt anderen Kindern
Triebe sprießen



Ein Gott in jedem Ding.


Ein Reif in jedem Buch.
Der taut, der es schlägt auf
und liest.

Ein Kind in jedem Mensch.
Der sieht, der das Kind ist
und liebt.

Ein Gott in jedem Ding.
Der lebt, der zu Gott gekommen ist
und sieht.



Liebe


Süße Klinge, Blitz im Licht
Betritt die Flamme.
Küsse das Licht.
Brenne heiß die Liebe hoch.



Eine Wiese Blumen


Die roten Narben auf ihrer Brust
Die weiße Milch in ihren Bögen
Das weite Feld um ihren Nabel
Die Schnürung ihrer Taille
Das weiße Strahlen gebogener Schenkel
Legte ich nur meine Hand
zwischen ihre Brüste
ihre Schenkel
Das Rehbraune in ihrem Gesicht
Die Sehnsucht ihrer Lippen
Mein Kinn küßt die Stirn
küßte sie nur meine Sinne
Eine Wiese Blumen meines Verlangens
Ein Mädchen gesät für mich.



Vergebung


Ich habe Deine Linien gesehen
Den Schwung Deiner Feder
in der Biegung Deines Rückens
Antilope bis in die Taille
den Rhythmus Deiner Schritte
schwingen die runden Polster
Deiner süßen Vergebung
Die Hebung Deines Atems Blume
entweicht den Schwingen Deiner Lippen
Rot bitten sie mich um Verheißung
und um alles, was ich geben kann.



Ihr leuchtet in mir


Ihr strahlt auf meinen Wegen
meine Augen blendet Euer Glanz
so bin ich mir so weit weg,
wo ich doch nah sein möchte
Meine Augen schließt kein Lid
kein Schlaf verhängt meine Wimpern
dann leuchtet Ihr in mir
wo ich so verbrenne,
wo ich mit schlafenden Augen
träumen möchte.



Black Pearl Louisiana


Black Pearl Louisiana
How could we sing your song
You sang on hundred Islands
since we had begon

Come lend me the timbre
of your blueing voice
she fills me my ears
You give me no choice

The dark vibration of your ´a´
my standing ovation
How you came me to say
I say you okay

You got the sonnation
You bring it to heart



Federweißer


Spülte mich ein Schluck
in die goldnen Trauben
in das Grün und Gelb
der feurig roten Reben

Schnitt ich in die Hand
die seidig glänzend Beeren
in die Butte
auf meinem Rücken

Preßte und kelterte ich
den Traubenschaum
in der Presse, im Faß

Zischte den Federweißen
taumelig, von Sinnen

Spürte ich so
nochmal die Trauben
jung
im Weinberg reif gelingen



Liebe ist leise


Liebe ist leise.
Liebe schweigt:
Liebe geigt
auf zwei Violinen
die sich aneinanderschmiegen
in leisen Tönen sich zu wiegen



Der alte Hengst


Der alte Hengst
auf seiner Koppel
stöbert mit den Nüstern
im feuchten Gras

Am Stacheldraht
am Stacheldraht

Die junge Stute
mit zwei Fohlen
wittert in den Wind

Sie sieht den Alten
und weiß
was seine Träume sind

Sie wiehert kurz
zu ihren Jungen

galoppieren
geschwungen
von dannen
dahin



Ring


Du trägst den Ring
und sie ihn auch
Sie zu lieben
ist der reine Wahnsinn

es schmerzt Dich nach ihr
Der Schmerz ist doppelt
zerfleischt Deine Brust

Du liebst nur die eine
nach Leiden drängt Dich Verlust

Zuletzt entscheidest Du Dich
für das Wahre

für den Wunsch
dreht sich nicht

Dein Ring.



Süße Wunde


Deine süße Wunde
Blume eines Tages
Deine leichte Leiste
Streich meiner Hand

Handauflegung
Becken Hüftenrand
Die Linie Versuchung
feu du coeur

Wandre Deine heiße Linie
Lilienstrang einer Sybille
Blühe in meiner Hand
Glühe unter meinem Becken

Reißen wir die Rosen aus
Schleudern sie zum Himmel



Mein Gesicht trägt vier Zeiten


Meinn Gesicht trägt vier Zeiten

Im Aug das Grün des jungen Frühlings
Im Bart das frühe Gold der Jugend
den schwarzen Mohn eines hohen Sommers
und Silberweißes, den Schnee, des Greises



Vive la France


Die Trikolore
weht hinter Dir
Du schwarzes Haar
Schwarzer Stoff
geknotet über
Deinem Busen

Ein Schlitz
Dein Nabel

Schwarzer Stoff
um Deine Hüften

Die Trikolore weht
man sieht Dich rufen
zum „Champion“
berufen



Ein Raucher


Graukahl fallen Deine Wangen
Blaß in Dein fahles Gesicht
Faltenzerknittert
Wo Du dem Tod entgegenschreitest
Hast Du ihn schon hinter Dir gelassen
Die einzge Glut, die in Dir brennt,
Hängt an Deinen Lippen
Deine Finger stippen
Horngelb
Die Asch von dannen
Die vertraute Bewegung
Ein Klick mit dem Finger
Anziehn und das Knistern
Jungfräuliche Tabakluft
In Deiner Atemgruft
Stirb, schon gestorben.



Wolken


Weißgraue Kühe
gescheckt in ihrer Kühle
schwarze Kälber
unter ihren prallen Eutern

Sie grasen das Grün
von den Bergen
bis zum Horizont

Unermüdlich rinnt ihre Milch
in Deinen Schirm,
in Deine Hand



Zirren


Weiße Wolken füllen die Berge
mit Quellen, mit Bächen
Sie rinnen in den grünen Inn

Der jadige Drache
lefzt über die Ufer

Sein Stau, sein Feuer
füllt Häuser
mit Strom

Strömt durch das Land
in das Land,
in die Augen



Himalaya


Wirrende Gipfel
erklimmen
um die Zirren



Jacqueline


Glimmende Kirschen in der Weichsel
Mattrot die Himbeere im Strauch
Leuchtend orange die Kapuzinerkresse

Weißgold Jacqueline im Sonnenfeuer



Sehen


Blicke wie Speere in mein Gesicht
Meine Augen wie Pfeile im Licht
Sehen tät ich, säh ich nicht



Andrea S. Neubeck


Du bist Arbeit,
singst im Chor,
gehst zum Arzt.

Und wo bist Du wirklich?
Eine Schulter, an die Du weintest.



Gold


Gold in der Stimme,
Silber im Blick.
Eine blühende Sprache.
Und Teufel im Ohr.



Bogen


Der Bogen knackt,
bevor er bricht.



Die Beerenhecke


Stapfte ich durch das Gewühl
kalten Gras im Morgentau
in der Früh erreichte ich den Felsenriegel
im Sand struppten graue Halme
violett und blau standen Blatt und Frucht
Das Reißen der Dornen hinderte mich nicht
zu greifen das Süße im Schatten
Mein Beutel füllte sich
mit Lila und Schwarz der Gesenkten
Aroma auf den Lippen kostete ich
vom Wein,
den wir werden trinken



Sternenachat


Heb mich zu Deinem Sternachat
Vergrab mich in Deinem Blütenbad Jasmin
Schließe öffne mir die Lilien
Laß mich mäandern auf Deinem Lautenband
Schenk mir Deine Antilopen
Lauf, wir laufen, Lauf!



Löwengold


Wähl den Zungenzauber
und sprich
Flamme das Gold im Einhorn
Dem Drachen das Licht



Werwolfliebe


Bronze flackert unter meinen Lippen
kühl wabern Wogen unter meinen Händen
Streiche ich die Seele auf ihrer Haut
lippennah brändeschweifend näher

Spür den Schweiß unter meinen Lippen
Erregung zittert in ihrem ganzen Herzen
leise spüre ich das Näherrücken
Kulminieren meiner Sehnsucht

Beben all der Bögen, durch die Kurven
Achselhaar ist mir ein Moschuswald
steigt in mir das Werwolfwittern
umarmen meine Arme sie um und um



Anouchka


Deine Weiden spinnen um meinen Platz
am Ufer ein gebogenes Nest
Deine Palmkätzchen wispern „mein schatz“
ich fange die Fische
Dir zu feiern ein Fest

Anouchka
Deine Arme gebogen so schön
sie halten mich fischend
will in Dich hineingehen
bin schon in Dir
ich habe verloren

Anouchka
ich habe gewonnen
Du wisperst „mein schatz“
umarmst mich so zierlich
Du mein letzter Satz



Ein Buch


Ein Buch zu lesen
sich mit einem Thema zu beschäftigen
ist
einen Acker zu pflügen
zu besäen
Die Frucht wächst viel später.
Doch bestimmt.
und nicht nur dieses Jahr



                                             


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z






Abraham
Agamemnon
Alpmären
Andrea S. Neubeck
Anna in Theresienstadt
Annette Schuster
Anouchka



Black Pearl Louisiana
Bogen



Cäsar



Der alte Hengst
Die Beerenhecke



Ein Buch
Eine Wiese Blumen
Ein Gott in jedem Ding.
Ein Raucher
Ende der Schicht



Federweißer
Fisch
Fischfang





Gold



Himalaya



Ich hab Dir einen Baum gepflanzt
Ihr leuchtet in mir



Jacqueline



Kakao
Kim.
Kling!
Klinge
Krieg!



Liebe
Liebe ist leise
Löwengold



Macht Reimen Sinn?
Mein Gesicht trägt vier Zeiten
Moby Dick




Pech
Pferdestudie



Quelle der Nacht



Rosenheim vor den Bergen



Scheusal
Seeschlange
Sehen
Sie ist
Spiegel Deines Lebens
Sternenachat
Still!
Süße Wunde



Tod!



Vergebung
Vive la France



Was nicht ist
Werwolfliebe
Wolken



Zirren